Fachvotum der Senatsverwaltung zum Autobahnanschluss Karow/Buch

Nach den am 13.Mai in Buch öffentlich vorgestellten Ergebnissen der beiden beauftragen Verkehrs-Studien hat die zuständige Fachabteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin jetzt ein Fachvotum abgegeben, das wir hier im Wortlaut wiedergeben. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

Fachvotum in Abwägung aller Belange

Eine neue Anschlussstelle an der A 10 auf Höhe der Bucher Ch. – Karower Chaussee wäre technisch realisierbar und bezüglich der Wirkungen (vermutlich) beherrschbar. Allerdings sind die zusätzlichen positiven Effekte (begrenzte Reisezeitgewinne, kaum Änderungen der Erreichbarkeiten) unverhältnismäßig im Vergleich zu den negativen Wirkungen (vor allem städtebaulich und bezüglich der zusätzlichen Verkehrs- und Umweltbelastungen) und der Folgemaßnahmen, die das Vorhaben bedingen würde (4-spuriger Ausbau der Bucher Ch. – Karower Chaussee – inkl. Knotenpunkte – mind. im Abschnitt zwischen Achillesstr. und Lindenberger Weg – mit deutlichem Heranrücken an bestehende und geplante Wohnbebauung). Profitieren würden speziell Quell- und Zielverkehre des Wirtschaftsverkehrs nach Buch, Fahrten von Privatpersonen würden durch das Vorhaben lediglich andere Routen / Trassen wählen.

Die Reisezeitgewinne vom Campus zum BER betrügen 6 Minuten gegenüber Planfall StEP Verkehr, für andere Ziele ergäben sich lediglich Reisezeitgewinne von 2-3 Minuten.

Es wurde der Nachweis erbracht, dass die Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (Senatsbeschluss 03/2011) im Realisierungsfall weitgehend die Situation vor Ort verbessern. Alleine hieraus ergäben sich Reisezeitgewinne von bis zu 5 Minuten zu ausgewählten wichtigen Zielräumen (Vergleich zu 2008). Dies betrifft insbesondere die Anbindung an das übergeordnete Straßennetz und die damit verbundene Erreichbarkeit des Untersuchungsgebietes.

Karow-Buch ist bereits heute durch vorhandene Anschlussstellen an die A 10, A 11 und A 114 gut erreichbar.

Ein Verzicht auf die Umsetzung eines Teils oder aller StEP-Maßnahmen in diesem Raum und eine Realisierung lediglich der in Diskussion stehenden Anschlussstelle hätte allerdings die Folge einer zusätzlichen Verkehrsnachfrage an dieser Stelle, die Planungsrechtlich wegen der Konfliktverschärfung vermutlich nicht mehr zu bewältigen wäre.

Votum der Fachebene

Umsetzung der Maßnahmen des StEP Verkehr und keine Weiterverfolgung einer zusätzlichen Anschlussstelle an die A 10 im Bereich Karow / Buch.

Die Weiterentwicklung des Straßennetzes sollte sich deshalb in Bezug auf Netzerweiterungen auf die Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (u.a. 6-streifiger Ausbau A 10 mit Umbau AD Pankow und Barnim (in Bau), Straßenverbindung B2-Karow, Vollanschluss Bucher Str., Durchbindung Max-Burghardt-Str.) beschränken. Darüber hinaus werden Anpassungen zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit von Strecken und Knotenpunkten im bestehenden Netz erforderlich sein. Zur Verbesserung der verkehrlichen Gesamtsituation ist neben der Umsetzung der Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (insbesondere auch der Maßnahmen zum öffentlichen Verkehr) besonderes Augenmerk auf den – heute mit erheblichen infrastrukturellen Defiziten konfrontierten – Fuß- und Radverkehr zu legen.