Die Verkehrsgutachten liegen jetzt vor

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Autobahnanschluss Karow / Buch und der Verkehrsuntersuchung Nord-Ost liegen jetzt vor. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wird sie am

27.11.2012 um 18:00 Uhr in der Festen Scheune, Stadtgut Buch, Alt-Buch 45-51

öffentlich vorstellen. Über den Inhalt der Studien ist bisher noch nichts durchgesickert.

Gutachten kommen erst Ende 2012

Die ursprünglich für Juni 2012 angekündigte Machbarkeitsstudie und das Verkehrsgutachten zum Stadtraum Nord-Ost werden nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt überraschenderweise doch erst Ende des Jahres vorliegen. Ein bereits anberaumter Termin der entsprechenden Arbeitsgruppe zwischen dem Bezirk Pankow und der Senatsverwaltung wurde ohne Nennung von Gründen kurzfristig abgesagt. Unsere schriftlich eingereichte Bitte an die Senatsverwaltung um Beteiligung an dieser Arbeitsgruppe blieben bisher leider unbeantwortet.

Es handelt sich bei den beiden Gutachten um die „Verkehrliche Untersuchung Stadtraum Nord-Ost (Karow-Buch)“ und eine Studie „Auswirkungen einer möglichen Anschlussstelle an die A 10 im Nordostraum von Berlin„.

Da weitgehende Einigkeit darüber besteht, keine politischen Entscheidungen zum Autobahnanschluss zu treffen, bevor nicht das Ergebnis der Untersuchungen vorliegt, wird in den nächsten Monaten beim Autobahnanschluss Karow-Buch nichts anbrennen. Das neue Planfeststellungsverfahren für die B2-Anbindung nach Karow soll ebenfalls erst nach Vorliegen der Ergebnisse begonnen werden.

Durch die Aktivitäten unserer Bürgerinitiative scheint sich die Stimmung in der Bevölkerung inzwischen gedreht zu haben. Nach der anfänglichen Begeisterung über einen neuen Autobahnanschluss steht inzwischen eine deutliche Mehrheit der Bewohner im Norden Pankow dieses Vorhaben realistischer und lehnt es nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ganz klar ab. Auch die bisherigen Protagonisten sind inzwischen nachdenklicher geworden und haben für den Fall eines für sie negativen Untersuchungsergebnisses bereits angekündigt, ihre Forderung nach einem Autobahnanschluss fallen zu lassen. Insofern ist die unerwartete Verzögerung um ein weiteres halbes Jahr zwar ärgerlich, sorgt aber für eine weitere Beruhigung der Gemüter und vielleicht auch dafür, dass sich letztendlich doch die Vernunft durchsetzt. 🙂

Martin Kasztantowicz

Bericht vom Bürgerforum am 4.Juni

BINO Bürgerforum im Künstlerhof BuchUnsere Bürgerinitiative war am Rande der BINO-Veranstaltung  auf dem Künstlerhof Buch mit einem Stand vertreten. Wir verteilten dort Flyer, führten interessante Gespräche und sammelten Unterschriften. Das Interesse war ausgesprochen groß, und was uns am meisten gefreut hat, war die breite Unterstützung für unser Anliegen. Nur ganz wenige Menschen sprachen sich für den Autobahnanschluss aus, aber bei der Gretchenfrage, wohin denn die 25.000 Fahrzeuge an der Achilles- und Wiltbergstraße verschwinden sollen, wenn nicht in die bereits jetzt überlasteten Durchgangsstraßen, wusste man entweder keine Antwort oder flüchtete sich in Allgemeinplätze.

Ganz offensichtlich setzt sich jetzt aber auch in Kreisen der Befürworter die Erkenntnis durch, dass ein neuer Autobahnanschluss an dieser Stelle weder sinnvoll noch durchsetzbar ist, jedenfalls sind hinter den Kulissen deutliche Absetzbewegungen und Rückzugsgefechte erlennbar. Am darauf folgenden Tag wurde am Runden Tisch Blankenburg sogar öffentlich verkündet, dass man diesen Autobahnanschluss nicht weiter fordern wird, wenn sich das im Sommer erwartete Gutachten ebenfalls dagegen aussprechen sollte.

Das ist doch schon mal ein toller Erfolg für unsere argumentative Arbeit – obwohl – es wäre nicht das erste Mal, dass ein unsinniges Verkehrsprojekt gegen alle Vernunft realisiert wird, daher warten wir sehr wachsam das Verkehrsgutachten und die Machbarkeitsstudie ab!

Hier noch ein paar Bilder von der BINO-Veranstaltung, die mit 150 Leuten recht gut besucht war.

BINO Bürgerforum am 4. Juni im Künstlerhof Buch

Am Montag, dem 4.6.2012 lädt die Bürgerinitiative Gesund Leben an der Schiene e.V. um 18:30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung zum Thema: „Ist der Schutz unserer Gesundheit mit mehr Schienenverkehr vereinbar?“ in den Künstlerhof Buch ein.

Am Rande der Veranstaltung wird auch die Bürgerinitiative Kontra AS Karow / Buch mit einem Stand vertreten sein, um über unser Anliegen zu informieren, mit Ihnen zu diskutieren und Unterschriften zu sammeln.

Dazu möchten wir Sie herzlich einladen!

Bessere Verkehrsanbindung des Wissenschaftsstandorts Buch

Mit dem vom rot-schwarzen Senat geplanten Autobahnanschluss Buch / Karow droht ein Verkehrsdesaster im Norden Pankows. Dabei gäbe es eine sehr viel leistungsfähigere und umweltfreundlichere Alternative zu diesem autofixierten Anachronismus.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Senatsverwaltung einen Autobahnanschluss Buch / Karow stets als überflüssig und städtebaulich unverträglich ablehnte, hat der Senat im Herbst 2011 überraschend eine Kehrtwende vollzogen und sich auf Druck der CDU im Koalitionsvertrag für eine neue Anschlussstelle Berlin-Buch ausgesprochen. Dafür wurden bereits zwei Studien in Auftrag gegeben, die bis Mitte diesen Jahres fertig sein sollen. Auch Klaus Wowereit hat sich bei einem kürzlichen Besuch in Buch persönlich für den Bau einer zusätzlichen Autobahnanbindung ausgesprochen.

Die Befürworter möchten mit diesem Vorhaben die verkehrliche Anbindung des Medizin- und Wissenschaftscampus Buch verbessern, der international eine führende Rolle einnimmt und der größte Gentechnik-Standort Deutschlands ist.

Die Gegner führen an, dass die verkehrliche Anbindung mit einem S-Bahnhof und vier (1) Anschlussstellen an drei verschiedene Autobahnen innerhalb eines Umkreises von 5-7 km Entfernung schon jetzt mehr als ausreichend ist. Auch das Bundesverkehrsministerium sieht keinen Bedarf für eine weitere Anschlussstelle und hat deshalb bereits 2004 eine Finanzierung abgelehnt.

Die vorgesehene Anschlussstelle wird nach einem Gutachten der Befürworter das Verkehrsaufkommen auf der Karower / Bucher Chaussee mit 25.000 Fahrzeugen fast verdoppeln und zwingend einen vierspurigen Ausbau dieser einzigen Verbindungsstraße zwischen Buch und Karow erfordern. Da sich der zusätzliche PKW- und LKW-Verkehr in den anliegenden Ortsteilen wohl kaum in Luft auflösen dürfte, kann sich jeder leicht ausmalen, was das für Buch, Karow, Blankenburg und Heinersdorf bedeutet, wo die überörtlichen Straßen schon jetzt den täglichen Berufsverkehr nicht mehr aufnehmen können.

Ein neuer Autobahnanschluss Buch / Karow könnte die Fahrzeit mit dem Auto bis zum Flughafen vielleicht um zwei Minuten verkürzen, allerdings nur, wenn der zusätzliche Verkehr an dieser Anschlussstelle nicht zu Staus führt. Von einer Stärkung des internationalen Forschungsstandorts kann angesichts dieser marginalen Zeitersparnis wohl kaum die Rede sein.

Wenn es dem internationalen Wissenschaftsstandort Buch tatsächlich um eine schnellere und bessere Verkehrsanbindung zum Flughafen BER, ins Zentrum Berlins und nach Potsdam geht, wäre der Anschluss an die Regionalbahn eine wesentlich effektivere Alternative als der Bau einer unsinnigen Autobahnauffahrt.

Nach Untersuchungen des Deutschen Bahnkundenverbands wäre es problemlos möglich am Bahnhof Buch einen zusätzlichen Bahnsteig für die Regionalbahn zu bauen. Der finanzielle Aufwand wäre mit 2 bis 3 Mio € überschaubar, denn die Regionalbahn fährt bereits jetzt durch Buch, allerdings ohne dort zu halten. Die nötige Fläche für den Bahnsteig ist ebenfalls vorhanden.

Durch einen Regionalbahnhof Buch würde sich die Fahrzeit zum Flughafen BER auf 38 min (!) verkürzen. Der Hauptbahnhof wäre in 13 min und die City West in 28 min zu erreichen.

Nach Fertigstellung der Dresdner Bahn würde sich die Fahrzeit zum Flughafen nochmals um 15 min auf sage und schreibe 23 min verringern. Im Vergleich mit 70 Minuten auf der Autobahn dürfte das selbst hartgesottene Autofahrer dazu veranlassen, ihr Fahrzeug stehen zu lassen.

Fotomontage Regionalbahnsteig Buch – © 2012 Deutscher Bahnkundenverband Berlin-Brandenburg e.V.

Ein solcher Regionalbahnhalt würde den Campus Buch tatsächlich stärken und käme auch den Anwohnern mehr zugute als die gedankenlose Fortsetzung einer überholten Verkehrspolitik aus der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts. Wenn der politische Wille zur Förderung des Standorts Buch derart groß ist, dass sogar für eine unsinnige Autobahnauffahrt Geld bereit gestellt werden kann, dann sollte es erst recht möglich sein, statt dessen eine wesentlich effektivere Bahnanbindung für Buch und den gesamten Pankower Norden zu schaffen.

In Karow hat sich mit Unterstützung des örtlichen SPD-Ortsverbands, Linken und Grünen eine Bürgerinitiative gegründet, die den verkehrspolitischen Unfug eines Autobahnanschlusses Buch / Karow verhindern möchte und eine zukunftsweisende und umweltfreundliche Verkehrspolitik fordert. Dieses Ziel gilt es politisch zu unterstützen!

Martin Kasztantowicz

Online-Redaktion Pankow
Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft  Mobilität
Bündnis 90/Die Grünen Berlin