Zwischenergebnis der Studien zum Autobahnanschluss Karow / Buch

In der mit schätzungsweise 250 Menschen sehr gut besuchten Scheune des Künstlerhofs Buch stellten am 27.11.2012 Dr. Kunst (SenStadtUm), Jens-Holger Kirchner (Bezirksstadtrat Pankow) und ein Gutachter der LK Argus GmbH einen Zwischenbericht über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Autobahnanschluss Berlin-Buch und der Verkehrsuntersuchung Nord-Ost vor. Um es gleich vorweg zu nehmen: wenn es nur nach fachlichen Kriterien und nach der Mehrheit der anwesenden Bürgerinnen und Bürger ginge, wäre damit der geplante Autobahnanschluss Karow / Buch endgültig gestorben.

Leider wurde dieser Autobahnanschluss der CDU im Koalitionsvertrag versprochen, und es wäre nicht das erste Mal, dass ein unsinniges und teures Vorhaben gegen alle Vernunft trotzdem realisiert würde.

Vorstellung der Zwischenergebnisse aus den Verkehrsstudien Berlin Nord-Ost

Nach dem sehr sachlichen und informativen Vortrag der Gutachter kommen die insgesamt etwa 100.000,- € teuren Studien im Wesentlichen zu folgenden Ergebnissen:

  • Es bestehen im Pankower Nord-Osten erhebliche Defizite im Bereich Fuß- und Radverkehr, sowie bei der Erreichbarkeit und dem Angebot des öffentlichen Personenverkehrs
  • Alle wesentlichen Ziele sind vom Klinik- und Forschungsstandort Buch aus in weniger als 40 Minuten gut und ausreichend erreichbar. Verbesserungen sind immer möglich, aber von einer schlechten Verkehrsanbindung des Standorts Buch kann auch im Vergleich mit Adlershof nicht die Rede sein
  • Ein Autobahnanschluss an der Karower / Bucher Chaussee würde die Fernerreichbarkeit des Campus Buch nur um 3 bis 6 Minuten verbessern
  • Auf der Karower / Bucher Chaussee würden zu den jetzt vorhandenen 17.500 Kraftfahrzeugen pro Tag zusätzlich 18.000 bzw. 24.500 Fahrzeuge hinzukommen, was mit dann insgesamt 35.500 bzw. 42.000 Fahrzeugen zwingend einen vierspurigen Ausbau dieser Stadtstraße erforderlich machen würde.
  • Der zusätzliche Verkehr auf der Karower / Bucher Chaussee würde auch zu einem Zuwachs des Autoverkehrs in Panketal, Blankenburg und Heinersdorf führen
  • Die Anschlussstellen Schönerlinde Straße und Schwanebeck würden durch eine neue AS Karow / Buch entlastet, was den prognostizierten starken Zuwachs an PKW- und LKW Verkehr in Karow und Buch erklärt
  • Es wurden noch zwei weitere AS-Alternativen untersucht, die aber als nicht günstig bewertet wurden, weil sie entweder nur geringe verkehrliche Wirkung hätten (Schönerlinder Str) oder ein Naturschutzgebiet berühren und wegen des problematischen Baugrunds kaum für Schwerlastverkehr geeignet wären (Hobrechtsfelder Chaussee)
  • Auch wenn die A10 im Berliner Norden Stadtgebiet durchquert, ist sie doch vor allem eine Autobahn mit überregionaler und übernationaler Bedeutung. Dort soll der Abstand zwischen Anschlussstellen normalerweise 8 km nicht unterschreiten. Dass das Bundesverkehrsministerium keine zwingenden Gründe für eine Ausnahme von dieser Regel am Standort Buch erkennt, wurde bereits in der Vergangenheit deutlich
  • In die Verkehrsuntersuchungen wurde auch der geplante Umsteigebahnhof am Karower Kreuz (Turmbahnhof) und der vom DBV und der BI Kontra AS Karow die Diskussion gebrachte Regionalbahn-Halt Buch einbezogen
  • Anfang 2013 soll das Endergebnis der Studien vorliegen, die dann auch eine Expertenempfehlung an die Politik enthalten. Die Studien werden auf der Website der Senatsverwaltung veröffentlicht

Dieser Zwischenbericht über die Gutachten macht deutlich, dass ein weiterer Autobahn-anschluss an die A10 hoch problematisch und wenig effizient wäre. Angesichts der benannten Defizite bei den anderen Verkehrsträgern stützen diese Studien die Auffassung der Bürgerinitiative Kontra AS Karow / Buch, dass es für die Anwohner und Gewerbetreibenden im Nordosten Berlins wesentlich besser wäre, die knappen Gelder Berlins in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und in Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr zu stecken, als in ein nicht zukunftsfähiges Bauprojekt, das nur noch mehr Verkehr und damit Lärm und Gestank in die Wohnquartiere im Berliner Nord-Osten bringt.

Es wird langsam Zeit, dass die Politik klar Stellung bezieht und diesem verkehrspolitischen Unfug ein Ende macht.

Martin Kasztantowicz
BI Kontra AS Karow / Buch

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7 Gedanken zu „Zwischenergebnis der Studien zum Autobahnanschluss Karow / Buch

  1. Pingback: Verkehrsuntersuchung zum Autobahnanschluss Karow / Buch | Bürgerinitiative Kontra AS Karow-Buch

  2. Ein neuer Autobahnanschluß in Karow/Buch ist absoluter Blödsinn und rausgeschmissenes Geld. Statt dessen sollten die Löcher in den vorhandenen Straßen geschlossen werden oder z. B. Feldwege (Frankenstraße in Berlin-Blankenburg) in einen begeh- und befahrbaren Zustandversetzt werden. Auch könnte sich der Senat bzw. die Stadt Berlin, auf die sicher wegen dieses neu geplanten Autobahnanschlusses Kosten zukommen, an den Kosten der BVG für einen „Kiezbus“ in Berlin-Blankenburg beteiligen, damit alte Leute bzw. Senioren eine Verkehrsanbindung an nächste öffentliche Verkehrsmittel erreichen oder Kindern der Schulweg sicherer gemacht wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Deutz

    • Als am S-Bahnhof Berlin-Blankenburg das Regenwasser die Fahrbahn unterspült hatte und Bauarbeiten notwendig waren, ist ein kleiner Taxi-Bus gefahren. Muss doch auch jetzt als Kiezbus möglich sein. Hohen Neuendorf macht es vor. Dort gibt es einen Rufbus. Hier können 6 – 8 Personen mitfahren. Das nenne ich mal Initiative.

  3. Ein neuer Autobahnanschluss in Karow Buch entlastet die Ortskerne sowohl von Karow als auch von Buch. Große Arbeitgeber wie der Forschungscampus Berlin Buch, sowie die Helios Kliniken verursachen zu Arbeitsbeginn und Arbeitszeitende ein hohes Verkehrsaufkommen, welches zum größten Teil durch beide Ortskerne fließt. Ein deutliche Entlastung diesen Zustandes wäre für die Anwohner hier ein Vorteil. Phrasen wie „absoluter Blödsinn“ sollten als unsachlich betrachtet werden. Der Vorschlag, dass die Förderung des Radverkehrs hier mehr helfen würde, ist wenig hilfreich, die Mitarbeiter kommen aus einem für Fahrraddistanz zu weiten Bereich.

    • Sehr geehrter Herr Dr. Joos, leider sind auch die Ausführungen auf dieser Internetseite zu den Ergebnissen des Gutachtens falsch und führen die Leute in die Irrre: „Auf der Karower / Bucher Chaussee würden zu den jetzt vorhandenen 17.500 Kraftfahrzeugen pro Tag zusätzlich 18.000 bzw. 24.500 Fahrzeuge hinzukommen, was mit dann insgesamt 35.500 bzw. 42.000 Fahrzeugen zwingend einen vierspurigen Ausbau dieser Stadtstraße erforderlich machen würde.“ Im gesamten Gutachten ist keine Rede von 35.500 bzw. 42.000 Fahrzeugen. Problem der Untersuchung ist die Tatsache, dass die begutachtete Ausgangslage 3 Verkehrprojekte impliziert (Vollanschlussstelle Bucher Str., B2-Anbindung, Querverbindung zwischen Karower und Hobrechtsfelder Chaussee durch Verlängerung der Max-Burghardt-Str.), die nicht existieren. Grundlage des Gutachtens war quasi ein Phantasiegebilde. Dennoch kommt das Gutachten zu der Aussage, dass der Autobahnanschluss richtlinienkonform gebaut werden kann, nur an der Karower/Bucher Chaussee aufgrund der Nachfrage verkehrlich begründet ist und die Ziel und Quellverkehre des nach Buch gerichteten Wirtschaftsverkehrs proftieren. Es geht nur um letzteres, die Begünstigung des Wirtschaftsverkehrs. Buch erfüllt überregionale Aufgaben; eine großräumig umwegige oder kleinteilig innerörtliche Verkehrsanbindung bedient diese Aufgaben keines falls.

      • Im August 2014 beginnen die Bauarbeiten an der Bucher Wiltbergstraße mit einer dreijährigen Vollsperrung und Umleitung der Verkehre über den Pöllnitzweg und der Straße an der Schlosskirche. Gäbe es den Autobahnanschluss, würde dieser auch hier erheblich Abhilfe schaffen. Alle verkehrziehenden Adressen in Buch liegen östlich der S-Bahnstrecke, ebenso wie der geforderte Autobahnanschluss. Genau das ist das Anliegen der Anschlussstelle, den Verkehr aus den Ortsinnenlage herauszuholen und vorhandene fernverkehrliche Straßen (A10) für den Wirtschafts- und Versorgungsverkehr zu nutzen, um diesen dann gezielt dort hinzuführen und abzusetzen, von wo er auf kurzem Weg das Ziel dann auch erreicht.

  4. Eine Autobahnanbindung in Buch/Karow würde für alle Anlieger der Siedlungen Buch , Karow, Blankenburg und Heinersdorf nur das bescheren, was die Bürger von Malchow und Buchholz bereits haben. Straßen, die man kaum queren kann. Sollte das Fleisch- und Logistikzentrum in Heinersdorf mit 44 Rampen dazu kommen, könnte sich die Lage für die Anlieger noch verschärfen . Damit werden die Straßen vollgestopft sein mit Autokolonnen. Dann kommt der Ruf nach Signalanlagen. Siemens wird es freuen. Kostet die doch immens viel Geld. Dafür darf die Autokolonne bei Rot brav stehen und die Abgase verpesten total die Luft. Grüne Welle ist in Berlin eh ein Wunschdenken. Man sollte die Gelder nutzen für einen unterirdischen Autobahnzubringer unter Malchow hindurch, wie es in Österreich unter Städten und Bergen gang und gebe ist. Das würde die Ortsdurchfahrt total entlasten. Außerdem wäre die neu gebaute Autobahnzufahrt Weißensee/Bernau dann auch nutzbringend angelegt. Eine weitere Autobahnzufahrt stadtauswärts an der Bucher Straße, die bis heute nicht in Angriff genommen ist, könnte auch etlichen Verkehr in Richtung Norden abfedern.
    Damit braucht man keine weitere Autobahnanbindung in Buch/Karow.

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